volles Herz

Kapitulation oder Glaube?

„Wenn ich recht darüber nachdenke, dann kenne ich nur Menschen, für die das Göttliche eine Täuschung ist. Es ist der Zufluchtsort für Versager, die auf göttliche Hilfe und Erlösung hoffen, weil sie ihr Leben alleine nicht geregelt kriegen. Religiosität ist in meiner Welt eine Art Kapitulation.“
Dies sind die Worte der christlich erzogenen Protagonistin in Daniela Jodorfs Roman „ISHAMA – Göttliche Geliebte“ in einem Zwiegespräch mit einer muslimischen Krankenschwester.

Meine Frage an Dich: wie vertraut sind Dir diese Worte, diese Gedanken? Ich bin ihnen immer wieder begegnet. Viele Menschen glauben, dass „Gott“ nichts mit dem praktischen Leben zu tun hat. Das ist etwas für zu Hause, für den privaten Bereich, wenn überhaupt. Und sprechen darüber, das geht schon gar nicht. Einfach nur peinlich. Sie haben Angst als Träumer oder als weltfremd, nicht im Leben stehend abgestempelt zu werden und damit ist „Gott“ in der beruflichen Welt eher ein Hinderungsgrund beim Erfolg und bei der Anerkennung als etwas, das verbindet, vertraut macht und ein Zeichen dafür, dass derjenige nicht nur ein suchendes Herz hat, sondern auch Werte und für beides geradesteht, was ich als Qualität bezeichnen würde.
Natürlich könnte man nun eine Grunddebatte beginnen, was Gott überhaupt ist, ob es etwas außerhalb von uns oder in uns ist, etc. etc. Das wäre auch ein spannendes (und seeehr umfangreiches) Thema. Aber es geht eher darum, ob ich an etwas glaube, das mehr vermag als ich als „Mensch“ nur mit dem Verstand begreifen kann – egal, ob dieses nun in mir ist oder außerhalb von mir. Und ob ich bereit bin an das meine vermeintliche Kontrolle abzugeben. Und das ohne mich deswegen schwach zu fühlen, sondern in der Gewissheit, dass mir genau das am besten dient.
Ich übe mich darin, Tag für Tag. An den meisten Tagen ist es für mich ganz klar und Teil meiner Selbst, alles in Göttlichen Händen sicher zu wissen. Das entspannt ungemein. Ich weiß dann, dass alles gut ist und noch besser wird, dass ich behütet und getragen bin, alles einen Lauf nimmt, wie es mir am besten dient und ich nur tun muss, was gerade ansteht. Ich entscheide im Moment und weiß dann ganz klar, was wie und wann zu tun ist und was eben nicht. Aber es gibt natürlich auch die Tage, wo alles im Nebel versinkt, diese Selbstverständlichkeit, das Vertrauen, die Gewissheit plötzlich weg sind. Ui, da werde ich dann auf einmal ganz unsicher, zaghaft und stelle alles in Frage. Es fühlt sich dann für mich an, als wäre diese schützende und tragende Hand weg, die mir auch den Rücken stärkt und damit mein Selbst-Bewusstsein, das Sicherheitsnetz ist weg. Was aber wirft mich aus diesem Paradies heraus an diesen Tagen? Es sind alte Muster, die durch irgendein Ereignis oder oft nur durch ein Wort getriggert werden. Oftmals ist es ein scheinbar kleiner Auslöser wie ein überfüllter Terminplan, der plötzlich die „alten Geister“ wieder aufweckt. Und die fühlen sich in so einem Moment dann greifbarer und realer an als alles andere. Gerade so, als ob man plötzlich zur Seite schaut, auf ein so vertrautes Bild und durch die Vertrautheit meint etwas Supertolles, zumindest etwas total Reales zu erblicken. Dabei ist es nur eine Fata Morgana, die aus dem Gedächtnis aufleuchtet, nicht mehr.
Für mich ist der Glaube keine Kapitulation, für mich ist es der größte Gewinn in meinem Leben, etwas das mein Herz voll und weit gemacht hat. Insofern habe ICH kapituliert – und dabei nur gewonnen. Wie ist es für Dich? Hat Glaube, Religiosität, Gott oder wie immer Du es nennen magst, Platz in Deinem Alltag? Erfüllt er Dein Leben oder ist er ein geheim gelebter Teil oder gar kein Teil von Deinem Leben?
Ich grüße Dich, mit vollem Herzen, Sabine

 

 

10 Gedanken zu „Kapitulation oder Glaube?

  1. liebe Sabine,

    ich ringe ein bisschen nach Worten bei deiner Frage.

    ja, ich glaube. ich glaube an die Liebe, die die Menschen gern Gott oder Jehova oder Buddha oder wie auch immer nennen, oder Vertrauen, Quelle – so viele Begriffe gibts dafür.

    ich glaube an diese Liebe in mir wie in jedem Wesen auf diesem Planeten. diese Liebe stellt sich ein, wenn Ruhe und Stille einkehrt, dann bin ich mit allem was ist verbunden. ich bin nicht immer in diesem verbundenen Zustand – oh nein. ich bin schlicht und ergreifend dankbar, diese Liebe manchmal zu spüren. vielleicht kommt eine Zeit, dass diese Verbindung aufrecht bleibt. jetzt ist jetzt. und jetzt ist es einfach Gnade, wenn ich diese Liebe spüre. das macht mich dankbar und weich und weit.

    in Liebe, Lisa

  2. Danke Sabine und ein herzliches Danke auch an dich Lisa!

    Ich glaube das ich glaube, ist nicht immer ganz eindeutig :-) Auf alle Fälle ist mein Blick in Richtung Gott bzw. dem Göttlichen gerichtet. Nicht immer, aber immer öfter!

    Alles Liebe, Michi

    1. Lieber Michi,
      wohin Dein Blick wandert, wird Dein Herz landen, denn Dein Herz gibt die Richtung an.
      in Liebe, Sabine

  3. oh ihr beiden lieben….fuehle ebenso….danke fuer eure worte…wenn einem alles genommen wird bleibt letztlich der glaube uebrig… ich bin sehr dankbar fuer die vielen schmerzvollen erlebnisse in meinem leben, denn gerade diese ließen meine wurzeln noch tiefer gehen. ja ich glaube…mehr als je zuvor. ich glaube an die liebe und an etwas wofuer die menschen viele namen haben…gott zum beispiel. in liebe und dankbarkeit. ..monika

  4. Liebe Monika,
    ja, jeder Stein, den wir nur als Hindernis gesehen haben, hat uns eigentlich den Weg gewiesen 😉 . Gott und die Liebe sind eins und Du bist die Liebe…
    es ist schön Dich zu lesen und noch schöner Dich glücklich zu wissen. Ich freu mich sehr!
    Umarm Dich von Herz zu Herz, Sabine

  5. Liebe Sabine, mein Platz neben mir ist immer frei – und ich bin unendlich dankbar für denen/die ich dafür begegnen darf!

    Mein Glaube an Gott (oder wie auch immer), begleitet mich Tag für Tag, es hat mit Vertrauen zu tun stärkt mich sehr.

    Herzliche Grüße

    Angelika

    1. LIebe Angelika,
      ein schönes Bild, immer einen Platz frei zu haben für so manchen Wegbegleiter, der sich für einige Zeit dazugesellen mag. IN dieser Offenheit sind die bereicherndsten Begegnungen möglich….
      Alles Liebe Dir, Sabine

  6. Liebe Sabine! Heute habe ich dich wieder gefunden,freue mich darüber.Ein ausgefüllter
    Sommer ist vergangen.Ohne den geistigen Weg,wäre ein Leben,für mich unvorstellbar.
    Nur dadurch konnte ich große Probleme schaffen.Es ist sehr schwer,manches zu akzeptieren,da wir erst oft spät erkennen,dass Alles geführt ist.Schön dass Du in meiner
    Nähe bist.

    Lieben Gruß,von Gerti

    1. Liebe Gerti,
      ui, wo hast Du mich denn „verloren“? :-)
      Ja, meist erkennen wir erst später, dass alles wunderbar und nur zu unserem Besten geführt war, ist, auch wenn uns im Moment des Geschehens so manches gar nicht schmecken mag ;). Anderseits bringt uns genau diese Wiederholung des „mag ich nicht – aha, es war zu meinem Besten“ zum beständigen Vertrauen, weil wir uns mit der zeit selbst in den Momenten des „mag ich nicht“ daran erinnern können und die Sicherheit bereits haben, dass der Moment „aha, es war zu meinem Besten“ folgt :-)
      Übrigens hat gestern eine liebe Freundin auf einen interessanten Artikel zum Thema „Akzeptieren“ hingewiesen. Hier der Link, falls Du ihn lesen magst, mir hat er sehr gut gefallen: http://www.den-weg-gehen.de/warum-akzeptieren-nicht-funktioniert
      Ganz liebe Grüße Dir, schön, dass Du so einen ausgefüllten Sommer hattest – da darf nun eine herbstliche Ernte in den schönsten Farben folgen!
      Alles Liebe, Sabine

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